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Langzeitbelichtung bei Tageslicht

Einsteiger Foto-Tipp für bessere Bilder

Unser Kopf liebt es getäuscht zu werden! Dinge einmal anders zu „sehen“, als es unsere Augen im Alltag zulassen. In der Fotografie gibt es viel Spielarten, um solche optischen Leckerbissen zu erzeugen.  Ein simpler Trick, mit viel Wirkung, ist die Langzeitbelichtung.

Sicher hast du schon schöne Bilder mit klassisch „seidenweichem“ Wasser bewundert. Vielleicht hast du dich gefragt: Wie funktioniert das am besten? Es ist gar keine Hexerei, sehr einfach und funktioniert mit praktisch jeder Kamera, sofern du an ihr Filter anbringen kannst.

Blackbeach Island

Was du dazu brauchst ist:

  • ein Stativ
  • Objektiv mit Gewinde, um Filter zu befestigen
  • Graufilter [ND-Filter]

Am besten eignet sich fließendes Wasser. Wasserfälle, Stromschnellen, Flüsse. Auch die Meeresbrandung oder schnell fliegende Wolken sind gute Motive.

Wenn du untertags fotografierst, hat du jede Menge Licht. Die Belichtungszeit entspricht nur Bruchteilen einer Sekunde. Alles, was du fotografierst, wird darum praktisch in der Bewegung eingefroren. Für viele Szenen perfekt, bei Gewässern aber meist langweilig.

Wenn das Wasser „verwischt“, sieht es viel schöner aus. Dazu musst du aber lange belichten können, deshalb musst du das viele Licht loswerden. Nur so kann der Verschluss deiner Kamera lange genug offen bleiben, um den „Wischeffekt“ einzufangen, ohne dabei das Bild überzubelichten. Ein Graufilter muss her! Er lässt wenig(er) Licht durch und du kannst – je nach Filterstärke –  viel, viel länger belichten.

Links – OHNE Filter | Rechts – MIT Filter

Ohne FilterMit filter

13 Sekunden  |  20mm 

13 Sekunden  |  20mm 

Und so geht das:

Stell deine Kamera auf ein Stativ. Ideal ist, wenn du alles manuell einstellst.  (Falls du aber noch wenig Erfahrung hast, kannst du es genauso erst mal im Automatikmodus versuchen.) Stelle das Motiv ein, lege den Bildausschnitt fest und stelle scharf. Sorge dafür, dass deine Kamera extrastabil am Stativ steht.

Automatik:
– Stelle die Kamera am besten auf Selbstauslöser, damit du beim Auslösen der Langzeitbelichtung nicht an der Kamera wackelst.
– Bringe den ND Filter an und
–  … löse aus. Das war´s schon!
– Bewundere dein Bild.

Manuell:
– Wähle den niedrigst möglichen ISO Wert.
– Bestimme Blende und Belichtungszeit.
– Stelle scharf.
– Je nach verwendetem Filter heißt es jetzt etwas rechnen* oder einfach in der Tabelle nachsehen.
– Korrigiere um den bestimmten Wert.
– Bringe jetzt erst den Filter an. (Achte dabei deine Fokussierung nicht zu verstellen.)
– Mach dein Bild. 🙂

Korrekturwerttabelle für die Langzeitbelichtung.

Downloade hier unsere ND Filter Tabelle zum Ausdrucken<
Oder mach einfach ein Foto per Smartphone, dann hast du sie immer griffbereit.

Suche in der Spalte „Belichtung“ den Wert, den deine Kamera aktuell anzeigt. Gehe dann nach rechts, bis zur Spalte des von dir verwendeten Filters und stelle den hier angefügten Wert als Belichtungszeit ein.

*Falls du lieber rechnest:  Angenommenen du hast 1/125 Sek. Ausgangszeit, rechne für einen ND 64 (6-Stop) sechs Stufen dazu = 1/2 Sekunde
Gemessener Wert: 1/125 > 1 Belichtungsstufe: 1/60s > 2 Belichtungsstufen: 1/30s > 3 Belichtungsstufen: 1/15s > 4 Belichtungsstufen: 1/8s > 5 Belichtungsstufen: 1/4s > 6 Belichtungsstufen: 1/2s

Ideal sind Filter die das Licht um 6-10 Belichtungsstufen reduzieren

Z.B.: Filter ND64 /[1.8*]  oder Filter ND1000/ [3*]

–> Filter ND64 – verlängert um 6 Blendenstufen / verlängert die Verschlusszeit um Faktor 64
–> Filter ND1000 – verlängert um 10 Blendenstufen / Verlängert die Verschlusszeit um Faktor 1000

Für das rechte obere Bild, haben wir einen Nisi ND64 Steckfilter verwendet.

Solche Filter sind entweder zum Aufschrauben (rund) oder als Steckfilter (eckig) erhältlich.

Für Steckfilter benötigst du zusätzlich einen Filterhalter. Fall du dazu Fragen hast, stell sie gerne unten als Kommentar.

Wir selbst verwenden fast nur noch Steckfilter. Früher nutzten wir meist „B+W“ Schraubfilter. Leider verursachen diese aber einen unschönen Farbstich, daher sind wir umgestiegen. Großartige Steck-Filter, die so gut wie farbneutral sind, produziert die Fa. „Nisi“. (siehe unten)

Steckfilter bieten darüber hinaus auch den entscheidenden Vorteil, dass sie leicht abzunehmen sind, falls nachfokussiert oder der Ausschnitt verändert werden soll. Mit einem aufgesetzten ND1000 beispielsweise, wird es nämlich ziemlich finster, man sieht im (optischen) Sucher praktisch gar nichts mehr. Wer einen digitalen Sucher hat, oder mit Monitor arbeitet, könnte das zwar ausgleichen, aber nur mit relativ schlechter Anzeige. Daher ist es auch wichtig, vor Anbringen des Filters, das Bild korrekt einzustellen.

Wenn du erst mal ein bisschen probieren willst, kaufe dir am besten ein halbwegs günstiges Filterset [Schraubfilterset / Steckfilterset]. Davon gibt es Verschiedenste. Achte beim Steckfilterset auf einen passenden Filterhalter. Google einfach danach, oder suche bei Amazon.  Wenn Du später besser weißt was du willst, sprich welche Filterstärke(n) dir Spaß machen, kannst du immer noch richtig gute Filter besorgen. Diese kosten leider ein bisschen…

Entscheidungshilfe für den Filterkauf:

  • Die unserer Meinung nach besten Steckfilter, weil unglaublich Farbneutral, kommen von Nisi. Nicht billig aber hervorragend  => [Nisi ND64]  [Nisi ND1000]
  • Guten Ruf haben Filter auch von Haida. Sind etwas günstiger. (Wir haben sie selbst nicht getestet) => [ND64]  [ND1000]
  • Häufig werden auch Filter von Lee (Big Stopper) propagiert. Wir sind nicht begeistert von ihnen, da sie recht deutlichen Blaustich verursachen. (Lässt sich aber in der Bildbearbeitung wieder korrigieren)

5 Sekunden | Blende 14 | 58 mm | Nikon D750

8 Sekunden | Blende 20 | 12 mm | Nikon D500

Geht sowas auch ohne Filter?

Ja klar, Langzeitbelichtung ohne Filter gelingt in der Dämmerung!
Wenn z.B. Wellen noch eine gewisse Dynamik zeigen sollen, solltest du Belichtungszeiten zwischen 2-4 Sekunden wählen.

*Falls du auf den Geschmack gekommen bist und dir ND Filter zulegen willst, noch ein technischer Hinweis.

Die Filter werden mit teils unterschiedlichen Bezeichnungen angeboten. Das kann auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend sein: Ein ND64 kann z.B. auch als „1.8 Filter“ ausgewiesen sein. ND bedeutete nämlich „Neutral-Dichte“ und „1.8“ bezeichnet genau diesen Wert. Auch „6-Stop Filter“ ist gängig.
Hier ein Überblick:

ND2 / Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit um Faktor 2  / Neutraldichte 0.3 / Blendenstufen 1 = 1-Stop
ND4 / Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit um Faktor 4  / Neutraldichte 0.6 / Blendenstufen 2 = 2-Stop
ND8 / Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit um Faktor 8  / Neutraldichte 0.9 / Blendenstufen 3 = 3-Stop
ND16 / Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit um Faktor 16 / Neutraldichte 1.2 / Blendenstufen 4 = 4-Stop
ND64 / Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit um Faktor 64  / Neutraldichte 1.8 / Blendenstufen 6 = 6-Stop
ND1000 / Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit um Faktor 1000  / Neutraldichte 3 / Blendenstufen 10 = 10-Stop

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2018-06-18T11:56:43+00:00

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